Die
Bauern-Invasion
Ein lustiger Dreiakter von Peter Hinrichsen
Ein verschwundener Grenzstein ist der Anlass für einen schon zehn
Jahre währenden Streit zwischen den benachbarten Bauern Holzinger
und Wurmlinger. Der Wurmlinger besteht nach-drücklich auf seinem
Streifen Land und fordert zusätzlich die Ernte, die in der langen
Zeit auf seinem Grund vom Holzinger eingebracht wurde. Jetzt droht er,
sich sein Eigentum mit Gewalt zurückzuholen. Der Holzinger jedoch
denkt überhaupt nicht daran, irgendetwas zurückzugeben und
interpretiert die Drohungen seines Nachbarn als Kriegserklärung.
Das wiederum ist für seine Frau, die ohnehin auf dem Hof das Kommando
führt, die Gelegenheit, einen Schlachtplan zu entwickeln, der den
Streit ein für allemal beenden soll: aus den Familienmit-gliedern
und dem Gesinde rekrutiert sie eine schlagkräftige Armee und schickt
eine Panzer-abteilung, die Kavallerie und Infanterie, dazu Melder und
Beobachter, ja selbst eine Spionage-abwehr in das Manöver "Schwarzer
Ochs", damit sich ihre Truppe auf den Kampf vorbereitet.
Als tatsächlich
die Invasion vom Nachbarhof droht, ist ihr Schlachtplan, den sie bis
ins kleinste Detail durchdacht hat, wieder und wieder geübt, so
dass man dem Feind furchtlos ins Auge blicken kann. Doch als es ernst
wird, versagt ihre Elitetruppe schmählich: anstatt den Feind zu
vertreiben, reibt sich ihre Armee gegenseitig auf und vernichtet sich
selbst. Nach dieser bitteren Niederlage, vor allem für die Bäuerin,
hat keiner mehr Lust, Krieg zu führen. Gott sei Dank kommt in dieser
trostlosen Stunde eine Botschaft vom Wurmlinger, die, wird sie akzeptiert,
einen dauerhaften Frieden zwischen den verfeindeten Höfen garantiert.
Vorher aber nutzt der Holzinger noch die Niederlage zu einer Generalabrechnung
mit seiner Frau.